NEST: Neues Projekt für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe im Landkreis Northeim

„NEST – Netzwerk Selbstbestimmung und Teilhabe“ wird fünf Jahre lang von
Aktion Mensch gefördert – digitales Assistenzportal wird eingebunden

Pro Inklusion e.V. startet ein neues, auf fünf Jahre angelegtes Projekt zur Stärkung
von Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit
Behinderung im Landkreis Northeim. Die Aktion Mensch hat die Förderung für das
Projekt „NEST – Netzwerk Selbstbestimmung und Teilhabe im Landkreis
Northeim“ bewilligt, wie der Vereinsvorsitzende Peter Traupe erfreut mitteilt. Die
Förderung läuft bis in den Spätsommer 2031. Mit NEST will Pro Inklusion insbesondere
dort ansetzen, wo Unterstützung im Alltag im ländlichen Raum häufig schwer
erreichbar ist. Das Projekt wird eng mit dem bereits vom Verein aufgebauten digitalen
Assistenzportal verknüpft. Dieses wird im gleichen Zeitraum durch den Landkreis
Northeim finanziert. Beide Angebote sollen sich ergänzen und dazu beitragen,
Unterstützungsangebote vor Ort besser zugänglich zu machen und miteinander zu
vernetzen.

Unterstützung dort, wo Menschen leben
Rund 85 Prozent der Menschen mit Behinderung im Landkreis Northeim leben in der
eigenen Wohnung oder im eigenen Zuhause. Gleichzeitig sind Beratungs-, Assistenzund Entlastungsangebote außerhalb der größeren Orte nicht überall leicht erreichbar.
Genau hier setzt NEST an: In fünf ausgewählten Gemeinden sollen tragfähige
Strukturen entstehen, die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen direkt in
ihrem sozialen Umfeld unterstützen. Dabei geht es darum, vorhandene Ressourcen
zusammenzubringen, Engagement zu fördern und Unterstützung möglichst
unkompliziert zugänglich zu machen. „Teilhabe muss auch im ländlichen Raum
funktionieren – und zwar dort, wo die Menschen leben“, sagt Peter Traupe. „Mit NEST
wollen wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort Strukturen schaffen, die im Alltag
tatsächlich ankommen.“

Drei Bausteine für mehr Teilhabe

Das Projekt setzt auf drei miteinander verbundene Bausteine:

  1. Teilhabe-Lots:innen: In fünf Gemeinden werden lokale Schlüsselpersonen
    gewonnen und qualifiziert. Als Ansprechpersonen auf Augenhöhe informieren sie
    Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen über Unterstützungsmöglichkeiten,
    Rechte und Leistungen, vermitteln bei Bedarf Kontakte zu Fachberatungsstellen und
    unterstützen beim Aufbau persönlicher Unterstützerkreise.
  2. Ehrenamtliche Assistenz: Menschen, die sich freiwillig engagieren möchten, werdengezielt gewonnen und über ein Online-Schulungsangebot auf ihre Aufgabe vorbereitet.Sie können beispielsweise bei Arzt- und Behördenterminen begleiten, Fahrten übernehmen oder Angehörige stundenweise im Alltag entlasten.
  3. Unterstützerkreise und regionale Netzwerke: NEST unterstützt den Aufbau individueller Unterstützerkreise rund um Menschen mit Behinderung. Dabei sollen Angehörige, Freunde, Nachbarn, Ehrenamtliche und professionelle Dienste stärker miteinander verbunden werden. Ziel sind verlässliche lokale Netzwerke, die auch langfristig tragen.

 

Digitales Assistenz-Portal verbindet Suchende und Assistenzkräfte

Eine wichtige Schnittstelle zwischen den einzelnen Bausteinen bildet das digitale
Assistenz-Portal. Darüber können Hilfebedarfe und ehrenamtliche Unterstützung
zusammengeführt, Einsätze koordiniert und organisatorische Abläufe erleichtert
werden. So entsteht ein Zusammenspiel aus persönlicher Unterstützung vor Ort,
ehrenamtlichem Engagement, professioneller Beratung und digitaler Koordination.
„Die Kombination aus persönlicher Vernetzung und digitalen Möglichkeiten eröffnet
uns neue Chancen“, erklärt Susanne Grebe-Deppe, Projektleiterin von NEST. „Wir
möchten ein Netzwerk schaffen, das unkompliziert funktioniert und niedrigschwellig
zugänglich ist.“
Das Vermittlungsportal, das von Pro Inklusion in Zusammenarbeit mit dem PortalAnbieter Helferportal gGmbH und der Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg, in den
vergangenen drei Jahren in einem mit Bundesmitteln geförderten Forschungsprojekt
weiterentwickelt und erprobt wurde, kann in den kommenden fünf Jahren von
Sorgegemeinschaften und Leistungsanbietern im gesamten Landkreis Northeim
genutzt werden.

Projektteam nimmt Arbeit auf

Mit der Projektleitung hat der Vorstand von Pro Inklusion Susanne Grebe-Deppe
beauftragt. Sie übernimmt die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung des
Projektstarts und baut gemeinsam mit dem Team die Strukturen in den beteiligten
Gemeinden auf. Die Geschäftsstelle von Pro Inklusion in der Neustadt 8 in Northeim
bleibt zentrale Anlaufstelle für den Verein und das Projektteam.
Das Angebot des Assistenz-Portals soll bereits im Herbst 2026 für interessierte
Menschen zugänglich werden. Der Aufbau der lokalen Strukturen in den fünf
beteiligten Gemeinden des Projekts NEST erfolgt anschließend Schritt für Schritt.

Fachkräfte für das Projekt gesucht

Für die Umsetzung von NEST werden drei Fachkräfte mit jeweils 19,5 Wochenstunden
eingesetzt. Zwei dieser Stellen sind derzeit ausgeschrieben. Die aktuelle Stellenausschreibung ist auf verschiedenen Online-Portalen sowie auf der Website von Pro Inklusion e.V. zu finden.

Für Rückfragen stehen Peter Traupe, Vorsitzender von Pro Inklusion e.V., unter
traupe@proinklusion-northeim.de sowie Susanne Grebe-Deppe, Projektleitung NEST,
unter grebe-deppe@proinklusion-northeim.de zur Verfügung.

Über Pro Inklusion:

Pro Inklusion e.V. wurde 2016 gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein, der das inklusive Leben im Landkreis Northeim vernetzt. Dahinter steht die Vision, in unserer Region gleiche Chancen für alle Menschen zu schaffen. Mit einem Netzwerk aus Vereinen, Organisationen, Initiativen und weiteren Engagierten stehen wir dafür ein, dass Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung dieselben Rechte wie alle anderen haben.

Wir arbeiten in Projekten, um im Landkreis Northeim aktiv Inklusion zu leben.