Stark und Sicher: Gewaltprävention für Menschen mit Behinderung“

Am 27. März 2025 lud der Verein Pro Inklusion e.V. zum Runden Tisch unter dem Titel „Stark und Sicher: Gewaltprävention für Menschen mit Behinderung“ ein. Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – darunter zahlreiche Betroffene, Fachkräfte aus der Praxis, Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalpolitik sowie Interessierte – kamen zusammen, um sich gemeinsam mit einem Thema

Nach einem aufschlussreichen Vortrag von Herrn Tzschentke von den Harz-Weser-Werken in Bad Sachsa, der unter anderem der Frage „Was ist Gewalt überhaupt?“ nachging, entwickelte sich ein offener und intensiver Austausch. Die Anwesenden nutzten die Gelegenheit, um persönliche Erfahrungen zu schildern, fachliche Perspektiven einzubringen und gemeinsam Herausforderungen zu benennen.

Besonders eindrücklich waren die Beiträge der Referentinnen Frau Romanus (EUTB Northeim), Frau Schuller (Lebenshilfe Herzberg) sowie Frau Neumann (Gleichstellungsstelle des Landkreises Northeim). Sie berichteten aus ihrer Arbeit und Beratungspraxis – aber auch ganz persönlich – über die vielfältigen Formen von Gewalt, mit denen Menschen mit Behinderung konfrontiert sind.

 Die teils sehr emotionalen Schilderungen der Betroffenen machten deutlich: Gewaltprävention in Einrichtungen der Behindertenhilfe ist dringend notwendig. Vielerorts fehlen noch immer konkrete Schutzkonzepte oder sie werden nicht ausreichend umgesetzt. Zudem wurde kritisiert, dass das Thema Gewalt im Ausbildungskontext und in Fortbildungen für Fachkräfte der Behindertenhilfe und Pflege kaum oder gar nicht vorkommt – eine Lücke, die dringend geschlossen werden muss.

 Ein weiterer zentraler Aspekt der Diskussion war das Fehlen passender Hilfsangebote und Anlaufstellen – insbesondere für Menschen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind und gleichzeitig einen Pflegebedarf haben oder selbst Angehörige pflegen. Dieser Missstand fand auch bei den anwesenden politischen Vertreterinnen und Vertretern große Beachtung.

 Die Veranstaltung machte eindrücklich klar: Es braucht sowohl eine breite gesellschaftliche Sensibilisierung als auch strukturelle Veränderungen, um Menschen mit Behinderung wirksam vor Gewalt zu schützen – und ihnen sichere Räume zu bieten, in denen sie über Erlebtes sprechen können.

 Die große Beteiligung und das durchweg positive Feedback zeigten: Das Interesse am Thema ist groß, und das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderungen wächst. Solche Veranstaltungen sind essenziell, um Denkanstöße zu geben, Perspektiven zu erweitern und die Umsetzung inklusiver Strukturen voranzubringen.

 Der Runde Tisch ist ein regelmäßiges Format von Pro Inklusion e.V., das viermal im Jahr stattfindet und wichtige inklusive Themen in die Öffentlichkeit trägt. Ziel ist es, verschiedene Akteure zusammenzubringen, um gemeinsam über gesellschaftliche Herausforderungen zu sprechen, Lösungsansätze zu entwickeln und Betroffene zu stärken. Die Veranstaltung richtet sich an Menschen mit und ohne Behinderung, Fachkräfte, Angehörige und alle Interessierten, die sich inklusiven Themen auseinandersetzen möchten.

Der nächste Runde Tisch wird am 05.05.2025 in Einbeck in der Tango-Brücke unter der Überschrift „Mobilität für alle – Alltag ohne Hürden“ stattfinden. Interessierte Teilnehmende können sich beim Verein per E-Mail an info@proinklusion-northeim.de oder telefonisch unter 05551 9103995 melden.

Zu jährlichen Mitgliederversammlung traf sich jüngst Pro Inklusion e.V., der Verein zur Unterstützung der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Landkreis Northeim.
In den Räumlichkeiten des Johanniter-Ortsverbandes Northeim nahmen die  anwesenden Mitglieder zunächst die Berichte des Vorstandes durch den Vorsitzenden Peter Traupe sowie der beiden Projekte „Netzwerk Inklusion und Teilhabe in Freizeit, Kultur und Sport im Landkreis Northeim“ sowie „MEAPP – Mehrsprachiges und barrierearmes digitales Assistenz-Portal zur Unterstützung von Sorgegemeinschaften im Landkreis Northeim“ durch die Projektmitarbeiterinnen Susanne Grebe-Deppe und Nina Siavwapa entgegen. Die Förderung beider Projekte endet in diesem Jahr.

Für das Assistenz-Portal wurde ein Antrag für die Finanzierung eines Folgeprojekts bei der Aktion Mensch gestellt. Eine Fortsetzung für das Netzwerkprojekt befindet sich derzeit noch in der konzeptionellen Entwicklungsphase.

Nach dem Kassenbericht durch Schatzmeister Bernd Sommer wurde dem gesamten Vorstand für das Jahr 2025 auf Antrag der Kassenprüfer einstimmig Entlastung erteilt. Peter Traupe bedankte sich im Anschluss an die Berichte bei den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Vereinsvorstandes sowie den Mitarbeiterinnen beider Projekte für ihr Engagement zur Verwirklichung der Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention im Kreisgebiet. Eine besondere Ehrung wurde Christel Eppenstein und Bernd Sommer zuteil. Beide sind seit der Vereinsgründung vor 10 Jahren durchgängig im Vorstand des Vereins tätig. Jacqueline Emmermann und Peter Traupe würdigten als geschäftsführender Vorstand das langjährige Engagement beider Vorstandsmitglieder an verantwortlicher Stelle und überreichten als Dank ein Präsent.

Die anschließende Neuwahl des Vorstandes, der um eine Position erweitert wurde, erfolgte einstimmig. Ihm gehören für die nächsten zwei Jahre an (siehe Bild, von links): Schatzmeister Bernd Sommer, stellvertretende Vorsitzende Christel Eppenstein, Nico Weppner und Thorsten Kühn (Beisitzerin bzw. Beisitzer), Jacqueline Emmermann (Schriftführerin), Nadine Seifert-Doods und Frauke Heidemann (Beisitzerinnen) sowie Peter Traupe als Vorsitzender.

Über Pro Inklusion:

Pro Inklusion e.V. wurde 2016 gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein, der das inklusive Leben im Landkreis Northeim vernetzt. Dahinter steht die Vision, in unserer Region gleiche Chancen für alle Menschen zu schaffen. Mit einem Netzwerk aus Vereinen, Organisationen, Initiativen und weiteren Engagierten stehen wir dafür ein, dass Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung dieselben Rechte wie alle anderen haben.

Wir arbeiten in Projekten, um im Landkreis Northeim aktiv Inklusion zu leben.